NZZ berichtet: Indische Fürstenhöfe und ihre Schmuck-Juwelen

Auch die NZZ ist beeindruckt: Juwelen, soweit das Auge reicht! Auf der Münchner Ausstellung werden die Juwelen und Schätze indischer Fürstenhöfe gezeigt.

Die Münchner Hypo-Kunsthalle zeigt die «Pracht der indischen Fürstenhöfe». Vom 18. Jahrhundert bis in die Moderne reicht der historische Bogen. Jenseits des Spektakels erfährt man aber auch, wie die opulente Repräsentation des Maharadschas das Machtgefüge befestigte.

Seine Hoheit Maharana Arvind Singh Mewar of Udaipur warf sich zur Münchner Eröffnung der Schau über die grosse Ära der Maharadschas vergleichsweise dezent in Schale. Keine Spur von märchenhafter Opulenz umgab das 76. Oberhaupt einer der ältesten indischen Fürstendynastien. Lediglich die lachsfarbene Brokatrobe unterstrich das vielleicht für Europäer exotische Prestige des 66-jährigen Maharadschas mit dem weissen Rauschebart. Die Juwelenknöpfe und auch anderes hochkarätiges Dekor vom Leihgeber-Dinner abends zuvor waren wieder schamhaft in den privaten Schatullen verschwunden. Dies offenbar in bewusstem Kontrast zu den Gepflogenheiten seiner auf grösstmögliche Prachtentfaltung bedachten Vorfahren bei öffentlichen Zeremonien. In früheren Jahrhunderten prangte für das Volk bereits von weitem sichtbar der Juwelenschweif des «Sarpech» wie ein magisch funkelndes drittes Auge am Turban der Maharadschas.

Feierliche Inszenierung

Die Zeiten, da sich mit der Zurschaustellung des fürstlichen Reichtums zugleich die Potenz eines Maharadschas durchaus politisch opportun signalisieren liess, sind längst Geschichte. Mit dem Ende der britischen Herrschaft 1947 mussten sich die zuletzt ohnehin eher repräsentativen indischen Monarchen mit ihrer legendären Prunksucht zwangsläufig zurückhalten. «Reichtum ohne Arbeit» galt Unabhängigkeitsführer Mahatma Gandhi als eine der sieben Todsünden der modernen Gesellschaft.

Mehr als 250 Objekte sind in der dafür umso schwelgerischen Ausstellung über den «Maharaja» und die «Pracht der indischen Fürstenhöfe» in der Kunsthalle der Hypo-Kulturstiftung zu bestaunen. Viele Exponate kommen aus den königlichen Sammlungen von Udaipur und Jodhpur, durften teilweise überhaupt erstmals den Subkontinent verlassen. Zuvor war die drei Jahrhunderte umfassende Schau im selbst reich mit indischen Preziosen gesegneten Victoria and Albert Museum in London zu sehen. Dort wurde sie nicht nur als einmalige Augenweide gefeiert, sondern zu Recht auch als kuratorische Meisterleistung. Jenseits des auch kräftig von Hollywood beförderten Klischees über das Glamouröse der alten indischen Herrscher finden sich die Maharadschas in der Ausstellung als durchaus auch pflichtbewusste und ehrenvolle Regenten ausgewiesen.

Über viele Epochen hatten sie vor allem das kulturelle Gedeihen Indiens fest im Blick, sprachen Recht und schlichteten Konflikte, sofern sie nicht selbst als rivalisierende Fürsten miteinander kämpferisch im Clinch lagen. In München konnte man dank dem flexiblen Wandsystem nun adäquate Kulissen schaffen: ein Labyrinth, in das man sich wie in einer historischen Saga vom indischen Palastdasein verlieren kann. Während die Kabinette den tatsächlich pompös mit Edelsteinen besetzten Waffen und Schmuck wie etwa einem Diamantencollier mit grandiosem Smaragdtropfenanhänger (Mitte 19. Jh., British Museum) vorbehalten sind, findet sich in den grösseren Sälen das höfische Leben feierlich, aber nie kitschig inszeniert.

Gleich eingangs wird der Besucher in die atemberaubende Zeremonie einer Prozession verstrickt. Auf einer Elefantenattrappe ist eine vergoldete Silbersänfte aufgesockelt, mit der sich die Maharadschas aus Jodhpur, geschützt durch einen Brokatsonnenschirm, an besonderen Festtagen auf dem Tierrücken wankend durch die Stadt tragen liessen. Mächtig an die Wand projizierte Filmaufnahmen vom Ende der 1920er Jahre zeigen, von welch unglaublichen Massenaufläufen die Demonstration der königlichen Majestät begleitet war. Das Volk wollte und musste sehen, wie sich durch die möglichst glanzvolle Zelebrierung der politischen wie religiösen Insignien des Maharadschas zugleich seine Autorität, Vitalität und letztlich auch Wehrhaftigkeit bestätigten.

Allein durch den Akt des Schauens der Untertanen erfüllte sich nach indischer Philosophie schon das Machtszenarium des Fürsten. Dass die rauschhaften Aufzüge der heutigen Bollywood-Produktionen etwas von diesen Spektakeln haben, ist nicht von der Hand zu weisen. Besonders imposant wurde das 10-tägige Dassahrafest gefeiert, bei dem des Kampfes und endgültigen Sieges des Gottkönigs Rama über den Dämonenkönig Ravana von Lanka gedacht wurde. Am letzten Tag erst erschien als quasi überirdisches Glanzlicht der Maharadscha selbst auf dem kostbar mit Geschirr und Tüchern geschmückten Elefanten, umgeben von einer mit Fächern, Silberstäben und Fliegenwedeln ausgerüsteten Dienerschaft.

Von dem durch und durch ritualisierten feudalen Leben des Maharadschas und seiner Frau, der Maharani, berichten in fast mittelalterlich wirkender Erzählfreude die mit Wasserfarbe und Gold gemalten Illustrationen des 18. Jahrhunderts. Besonders schöne und grossformatige Exemplare kommen aus der Sammlung des eingangs erwähnten Maharana von Mewar im nordindischen Udaipur. Ein Blatt zeigt einen fürstlichen Vorfahren, wie er inmitten seines paradiesisch von Gärten durchsetzten Inselpalasts synchron verschiedenen herzerfreuenden Tätigkeiten nachgeht. Maharana Ar Singh von Mewar sieht der Fütterung seiner Krokodile zu, promeniert entspannt mit den Damen, ergötzt sich an einer Lieblingsfrau, schiesst mit Pfeil und Bogen auf Fische, tut demnach all die lebensnotwendigen Dinge, die ein Maharadscha eben im höfischen Alltag zu verrichten hat.

Solche von eigens geförderten Hofkünstlern angefertigten Malereien haben nicht nur unschätzbaren historischen Wert. Mittlerweile erzielen gerade die kunsthandwerklichen indischen Preziosen Höchstpreise auf den Auktionen. So wurde die mit originalen Smaragden und Rubinen besetzte Weinkaraffe aus Jade (1600–1625) aus dem ehemaligen Besitz des britischen General Robert Clive 2004 für 3 Millionen Pfund bei Christies’s versteigert. Ein faszinierendes Kapitel ist der sich mit der Moderne entfaltenden Assimilation an europäische Lebensstile gewidmet. Indische Fürsten schielten im Palastbau der 1930er Jahre gerade auch im Interior-Design auf das Art déco und den im Westen vorherrschenden Zeitgeist, wie er sich auch in dem Einbau von Swimmingpools und mondänen Cocktailbars reflektierte. Eckart Muthesius entwarf für Yeshwant Rao Holkar II den modernistisch bis zum Bibliothekssessel durchgestylten Palast Manik Bagh (1930–1934) in Indore. Die Verschwendungslust der indischen Fürsten wurde am Ende weniger von den eigenen Landsleuten als von den Kolonialherren gegeisselt. Die zum Teil in Grossbritannien erzogenen, zumindest aber äusserst reisefreudigen Maharadschas begannen sich generös mit Haute Couture und exquisiten Accessoires aus den Luxushäusern in Paris einzudecken.

Doppelleben

In einer Ära, als Weltkriege und Wirtschaftskrisen insbesondere Europa erschütterten, hätten Juweliere wie Cartier, Boucheron und Van Cleef & Arpels ohne die unbändige Investierbereitschaft der Maharadschas vielleicht nicht so leicht überlebt. Kein Geringerer als Man Ray fotografierte 1930 Maharadscha Yeshwant Rao Holkar II und Maharani Sanyogita Devi von Indore als elegantes «It»-Paar der französischen Avantgarde. Ein wiederum ganz auf die scharflinige elegante Silhouette bezogenes Gemälde von Bernard Boutet de Monvel zeigt den Maharadscha lebensgross im Frack. Nach dem Verlust seiner Privilegien als regierender Fürst 1947 war der durchaus demokratisch gesinnte Maharadscha Vizegouverneur von Madhya Bharat. Der Jazzliebhaber hatte zuvor schon eine Art Doppelleben geführt. Bereits 1928 beschwerte er sich über das rückständige Indien und dessen sittlichen Verfall: «Ich möchte nie länger als vier Monate hintereinander in Indien bleiben.»

Quelle: http://www.nzz.ch/aktuell/feuilleton/kunst_architektur/die-macht-der-juwelen-1.5188382

 

Nicht nur die NZZ ist fasziniert vom Leben und dem prachtvollen Schmuck der Indischen Maharajas

Diese Ausstellung in der Münchner Hypo-Kunsthalle ermöglicht, wie es die NZZ passend beschreibt,  einen umfassenden Einblick in die Welt der Maharajas und ihre wundervoll reiche Kultur. Von Beginn an wird man auf der Ausstellung in die indische welt geholt, so macht eine Prozession mit lebensgroß nachgebildeten Elefanten und Pferden, die prächtig geschmückt sind, den Auftakt und gibt einen Eindruck der bombastischen, typisch indischen Umzüge. Weiter sind Bestandteile der Ausstellung das Herrschermodell Indiens um 1800 und die Rolle der Maharajas, Symbole ihres Standes, wie silberne und goldene Throne, der »Gaddi« aus Udaipur, aufwendig gearbeiteter Turbanschmuck, Zeremonienschwerter und mit Diamanten besetzte Treibstöcke für Elefanten. Auch das Leben hinter den Palastmauern wird vorgestellt.  Wir stimmen dem Bericht der NZZ zu, diese Ausstellung ist wahrlich ein Schatz in der Welt des Schmuckes!