NZZ berichtet über eine neue Messe: Schmuckstücke der Modernen Kunst

Der zeitgenössischen Kunst wird oftmals nicht genügend Bedeutung geschenkt. Eine neue Messe, die Frieze Art Fair in London, soll das nun ändern.

Die Landschaft der Kunstmessen erlebte in den letzten zehn Jahren gewaltige Veränderungen weltweit. Man denke nur an den Ableger der Art Basel in Miami, die vielen Neugründungen von Messen in Asien und den Golfstaaten oder an die Londoner Frieze Art Fair. Letztere war gleich bei ihrer ersten Austragung im Jahr 2003 erfolgreich und gehört seither zu den führenden Veranstaltungen im Bereich der zeitgenössischen Kunst. Allerdings fehlte in London – obwohl die Metropole an der Themse als Zentrum des europäischen Kunsthandels gilt – nach wie vor eine international bedeutende Kunstmesse für die klassische Moderne. Mit einem ungewöhnlichen Konzept stellen nun die Organisatoren von Frieze eine neue Messe vor, die es in dieser Form noch nicht gibt: die Frieze Masters. Der Zeitpunkt der Einführung scheint gut gewählt.

Rund 90 Galerien teilen sich ein weitläufiges Zelt am nördlichen Ende des Regent’s Park, rund eine Viertelstunde Gehzeit entfernt von der Frieze London, wie sich die Messe für Gegenwartskunst von nun an nennt. Die Schwerpunkte der Frieze Masters liegen auf der Kunst des 20. Jahrhunderts und den alten Meistern. Ergänzend dazu kommen antike Kunst, mittelalterliche Skulpturen, Fotografie, Grafik, Textilien und aussereuropäische Kunst. Vollständig ausgeklammert wurden das Kunstgewerbe, Möbel, Antiquitäten und Schmuck.

Die Aussteller gehören zur ersten Riege ihres Bereiches; das Angebot ist fast durchgehend qualitätvoll und im oberen Preissegment angesiedelt. Die Veranstalter haben sich für eine minimalistische Messearchitektur entschieden und jegliches Dekor verbannt. Den Händlern blieb lediglich die Wahl zwischen Weiss oder Grautönen für die Hintergrundfarbe ihrer Koje. Nicht allen Objekten steht diese Strenge gleich gut an; einige der Standinstallationen wirken fehl am Platz.

Eine Einteilung in Sektoren, wie sie zum Beispiel die grossen Universalmessen Tefaf in Maastricht oder Brafa in Brüssel vornehmen, gibt es nicht. Der Besucher soll sich alles ansehen, neugierig werden und in verschiedenen Sammelgebieten einkaufen. Zielpublikum sind die Stammkunden der Frieze, die bisher ihr Geld in junger Kunst angelegt haben. Mit omnipräsenten Totenkopf-Darstellungen glaubt man, die Brücke zur zeitgenössischen Kunst zu schlagen. Das eklektische Nebeneinander von Alt und Neu wird jedoch nicht unbedingt jedem gefallen.

Kunstmesse Fieze Art

Mehrere Händler setzen auf museale Einzelpräsentationen von Künstlern wie Alberto Giacometti, Dorothea Tanning oder Sérgio Camargo. Für angenehme Abwechslung im Ausstellungs-Parcours sorgen die Galerien indischer und chinesischer Kunst sowie der Stammeskunst (etwa mit Beinschnitzereien der Eskimos und Masken der Indianer). In diesen Sektoren wurden bereits am ersten Messetag viele Verkäufe getätigt. Ein erfrischender Neuauftritt ist die Gallery of Everything aus London, die sich für Outsider-Kunst starkmacht. Welchen Einfluss Frieze Masters auf andere Veranstaltungen haben wird, bleibt abzuwarten. Vor Beginn gab es Befürchtungen, dass die gleichzeitig zum 7. Mal stattfindende PAD London Art + Design durch die neue Konkurrenz unter Druck geraten könnte, zumal einige der regelmässigen Aussteller die Seiten gewechselt haben.

PAD präsentiert sich wie zuvor als Spezialmesse für Design und Kunst des 20. Jahrhunderts. Sie ist sehr zentral in St. James’s gelegen, in unmittelbarer Nähe der Luxushotels und Geschäftsviertel. Mit 60 Ausstellern ist die Messe übersichtlich. Das Erscheinungsbild der individuell gestalteten Kojen ist edel. Beachtlich ist die starke Präsenz von amerikanischen Galerien, die Nachkriegskunst der höchsten Preisklasse anbieten. Die internationale Klientel bediente sich schon während der ersten Tage ausgiebig bei Designer-Objekten, kapitalen Bildern sowie von Künstlern entworfenen Schmuckstücken.

Und was gibt es Neues zur Frieze London zu berichten? Die Messe profitiert weiterhin vom anhaltenden Interesse an der jungen Kunst. 175 Galerien vertreten über 1000 Künstler in einem nun etwas verkleinerten Zelt. Zugelassen sind seit neuestem ausschliesslich Werke, die seit dem Jahr 2000 entstanden sind. Der grosse Besucherandrang erzeugt eine energiegeladene Atmosphäre, die sich nicht zuletzt in regen Käufen ausdrückt.

Mehrere Galerien haben sich beim Dilemma der Wahl der Messe gleich für mehrere entschieden: Sie präsentieren sich auf der Frieze London mit ganz neuer Kunst, auf der Frieze Masters mit historischen Werken und auf der PAD mit Trophäen für den Jetset. Ein Gewinner steht auf jeden Fall bereits fest: die Stärkung des Kunstmarktplatzes London. (Bis 14. Oktober)

Quelle: http://www.nzz.ch/aktuell/feuilleton/kunsthandel-auktionen/schon-wieder-eine-neue-messe-1.17684969

Es ist schön zu sehen, dass nun auch die Schmuckstücke der modernen Kunst einen würdigen Auftritt bekommen.

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Frieze Masters – auch alte Kunst kommt zum Zug

Es ist bekannt, dass neue Kunst ohne die alte Kunst nicht die gleiche wäre. So bekommt auch die alte Kunst ihren würdigen Auftritt während der Frieze Art in London. Die Frieze Masters halten sich während der Messe dezent und zurückhaltend im Hintergurnd, im Regent’s Park. Hier kann man alte und auch uralte Kunst kaufen – und das Pilotprojekt war bisher erfolgreich.

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