News im Tagesanzeiger: „Do it yourself Schmuck“

Viele Menschen, vorrangig natürlich Frauen, träumen davon mit ihrer eigenen selbstgemachten Schmuckkollektion reich, und zumindest ein bisschen berühmt, zu werden. Dass das nicht so leicht ist, zeigt dieser Selbstversuch, beschrieben im Tagesanzeiger:

Als Kind hatte ich noch einfache Träume. Mein Lieblingstraum ging so: Ich besitze drei Teigschüsseln voller Schmuck. Teigschüsseln wohl deshalb, weil ich mit den Teigschüsseln meiner Mutter nur schöne Erlebnisse verband, und Schmuck, weil ich Schmuck halt einfach sehr schön fand und sehr gern hatte. Die Teigschüsseln waren im Traum wie im Leben aussen hellgelb und innen weiss, und der Schmuck glitzerte wie lauter eingesperrte Regenbögen. Es war ein wahnsinnig schöner Traum, aus dem ich glücklich und ungern erwachte. Im Leben bin ich leider nie zu den drei Teigschüsseln voller Schmuck gekommen, gut, einmal war ich wohl ungefähr bei einer halben Schüssel, aber die verschwand durch die Hand von Dieben aus meinem Leben.

Do it yourself: Die Kette von Frau Meiers Missvergnügen.

«Genial, das ist genial»

Nur etwas hinterliessen die Diebe: eine Plastiktüte mit ausgemustertem Schmuck, mit alten Chrälleli-Ketten und kaputten Broschen und einem schwarzen Ding, das ich in England auf einem Flohmarkt für 5 Pfund gekauft hatte. Es war eine richtige Grossmutter-Kette aus schwarzen Onyx-Perlen, einige waren schon etwas angeschlagen, aber viele waren noch schön, und ich beschloss mangels Schmuck, mir daraus eben selbst eine Kette zu basteln. Schliesslich kann man heute fast an jeder Ecke von Zürich seine Glasperlen und Silberteilchen selbst zusammenkaufen oder gar im Laden unter Anleitung auffädeln.

Ich stellte mir also vor, dass meine neue Kette unglaublich schön würde, dass die paar Zutaten, die ich noch brauchen würde, so gut wie gar nichts kosteten. Ich stellte mir vor, dass Audrey Hepburn meine Kette in «Breakfast at Tiffany’s» getragen haben könnte und dass alle Leute sagen würden: «Wow, so schön, kann ich bei dir nicht auch so was bestellen?» Und ich würde sagen: «Klar, aber ganz gratis kann ichs schon nicht machen, es kostet dann einfach halb soviel wie auf dem Weihnachtsmarkt, gäll», und die Leute würden sagen: «Genial, das ist genial», und ich würde wahnsinnig schnell wahnsinnig reich werden, und den drei Teigschüsseln voll mit eigenem und gekauftem Schmuck stünde endlich nichts mehr im Wege.

Igeli, Blümli, Glöggli, Zötteli

Ich begann erst mal online. Mit dem Neus-Shop in Winterthur. Nach tagelanger Durchsicht von ungelogenen 1350 Perlensorten wählte ich ein paar aus, die mir schön und aber auch preiswert erschienen, nämlich die Sorten «Igeli Perle versilbert 5 mm», «Swarovski Xilion Bicone AB dark diamond 6 mm», «Swarovski Bicone Amethyst 6 mm» und «Swarovski Bicone AB black diamond 3 mm». Was alles zusammen 34 Franken machte. Leider bestellte ich die falschen Igeli, wie sich herausstellte, nämlich die geschwärzten statt der geweissten, der Unterschied zwischen denen ist nicht etwa wie Tag und Nacht, sondern wie Bikerbraut und Lady. Natürlich gab es zwischen «dark» und «black diamond» keinen Unterschied, aber glitzern taten die Chügeli mit Swarovski-Schliff ganz fantastisch, sie waren liebevoll in kleine Schächtelchen verpackt, und die Lieferung war schnell.

Dann ging ich zu Trixmix an der Stauffacherstrasse, wo ich auch schon schöne Dinge gepostet hatte, und sagte: «Ich hätte bitte gern so eineinhalb Meter Drahtfaden, um Perlen aufzufädeln.» Es gab aber nur eine 10-Meter-Rolle vom «Softtouch Draht Neutral», die kostete 33 Franken, und leider fragte ich dann: «Hätten Sie noch ein paar kleine silberne Teilchen, die zwischen schwarze Onyxperlen passen?» Und da öffnete sich ein Schublädchen ums nächste, mit Kügeli, Igeli, Blümli, Glöggli, Zötteli, Ringli und was man sich an glitzrigen Winzigkeiten vorstellen kann. Der Grammpreis schien mir unendlich gering. Ich gab noch einmal 37 Franken aus.

Der grosse Frust

Und dann fädelte ich alles auf den neutralen Softtouch-Draht. Das ging schnell. Viel zu schnell. Ich erinnerte mich, dass das auch schon als Kind so gewesen war, als ich von den vollen Teigschüsseln geträumt hatte, dass die Arbeit beim Perlenfädeln – damals noch auf einen Nylonfaden, dessen Enden zuletzt mit einer Kerzenflamme miteinander verschmolzen wurden – nie länger als eine halbe Stunde gedauert hatte. Jetzt gings noch schneller. Aber ich war zufrieden, wie sich die Igeli und Blümli und Perleli zusammenfügten.

Ich brachte den fertigen Strang wieder zu Trixmix und bat die Fachfrauen, mir ein Schloss zu montieren. Sie beäugten meinen Strang ein bisschen skeptisch – oder bildete ich mir das ein? Schloss und Montage kosteten nochmals etwa 30 Franken, und als ich mir das Ding umhängte, teilte ich die Skepsis der Profis: Meine Kette war ein wenig zu lang und ein wenig zu schwer, und wenn ich sie mir doppelt um den Hals wickelte, kam das einer Strangulation gleich. Und das Frustrierendste: Kein Mensch, kein……………………

Quelle für den ganzen Artikel: http://www.tagesanzeiger.ch/leben/style/Eine-Kette-fuer-Audrey-Hepburn-/story/23857097

Nun sollte sich aber niemand entmutigen lassen, der sich im DIY-Schmuck ausprobieren möchte. Im Internet lassen sich auch viele Anleitungen dafür finden, wie beispielsweise diese hier:

httpv://www.youtube.com/watch?v=bN1rpTn5Stw